Leute

Judith Schalansky – Verzeichnis einiger Verluste (Suhrkamp Verlag, 2018)

In ihrem im Suhrkamp Verlag erschienenen „Verzeichnis einiger Verluste“ beschäftigt sich Judith Schalansky mit nicht weniger als Allem und Nichts: mit dem großen Ganzen und – das liegt in der Natur der Sache von Verlusten – auch dem kleinen Bruchstückhaften. Das was als Verlust festgestellt wird, muss schließlich irgendwann mal da gewesen sein, in graduellen Abstufungen für manche mehr, für manche eben weniger …

Rafael Horzon – Unternehmungslustiger & lustiger Unternehmer

Rafael Horzon hat es nicht leicht: Rafael Horzon will ein Unternehmer sein, wird aber immer als Künstler gesehen. Er darf nicht einfach nur ein Unternehmer sein. Alle seine Unternehmen, Projekte und Geschäfte werden einzeln als Aktionen und Konzepte eines künstlerischen Systems gelesen. In der Summe sagt man ihm dann gleich noch das Münchhausenhaftige nach. Der arme Kerl muss sich also ständig vor aller Welt rechtfertigen, über das was er so macht und was er also Unternehmen nennt. Oder ist esweiterlesen

Tocotronic – Ein Quiz mit 25 Fragen zu 25 Jahren

2. November 2018 Allgemein, Langeweile, Leute, Live, Quiz

Was die bei Buzzfeed und den anderen Gag- und Gute-Laune-Seiten machen, können wir bei Kommen People, dem Magazin für Leute, Lebensart und Langeweile natürlich auch (allerdings ohne dabei Geld zu verdienen, aber für Integrität und Würde zahlt man halt oft gern mal drauf) – wir haben jetzt auch ein Quiz! 25 Fragen zu 25 Jahren Tocotronic.

Britta – Best of

Dieser Tage erscheint ein „Best Of“ der Berliner Band Britta bei Staatsakt. Britta singen darauf gesammelt und weiterhin von den Errungenschaften und Nöten, Mangel- und Verzichtserscheinungen eines selbstbestimmten, sogenannt alternativen Lebens. Aber bei Britta war eh schon immer alles „Best Of“, nur hat das die Mehrheit nie mitbekommen und Britta hatten es nie nötig das so herauszuposaunen. Mich selbst begleitete ihre Musik und jene der Lassie Singers über viele Jahre. Eine fast schon autobiographische Rezension.

Zu unrecht versunken – Tarnation Street: „High Hopes“

Das Popmusikgeschäft ist oft, und genau natürlich deswegen weil es ein Geschäft ist, ein ungerechtes. Manche Bands schaffen es mit ihrer Kauzigkeit, wenn auch oft nur kurz, Oberwasser zu bekommen und schwimmen dann eine Weile auf einem kleinen Hype. Die Kauzigkeit wird als Sonderlingsbonus gehandelt und für eine gewisse Zeit von allen Seiten hoch goutiert. Danach verschwinden diese Kauzbands oft wieder. Ebenso Tarnation Street aus Schweden.

Oren Ambarchi, Kassel Jaeger, James Rushford – Pale Calling

James Rushford, Oren Ambarchi und Kassel Jaeger collagieren ihre jeweils verschiedenmusikalischen Kernkompetenzen auf „Pale Calling“ zu einem großen, glucksenden Ganzen. Zwischen dem Glucksen und einer sonnenstichigen Orgel hängen wortferne Stimmenfetzen, wie wirre Blitze in einem ungeordneten, vorsprachlichen Zustand zwischen Geist und Empfindung. Ab und an fällt eine Synthesizer-Tonfolge in diesen köchelnden, klaustrophobisch traumartigen Grundpuls – wie eine wirre Idee, eine tonale Notiz, wie das Signal einer eingehenden Kurznachricht aus einer tief verbuddelten Ebene im Unterbewussten.

Jarvis Cocker & Chilly Gonzales – „Room 29“

14. April 2017 Die lange Rezension, Leute

„Room 29“ ist wie eine zärtlich spinnerte Aufführung illustrer Klaviervignetten mit cognaclaunigem Geträller und Geflüster auf einer Probebühne bzw. – mehr noch – wie ein nächtlich-cognaclauniges Radiofeature darüber. „Room 29“ von Chilly Gonzales und Jarvis Cocker wirkt wie eine schrullige Fingerübung, ein diebischer Spaß unter kunstsinnigen Musikerfreunden.

Mutter – „Der Traum vom Anderssein“

Auf ihrem neuen Album vertont Mutter in acht Stücken auf 53 Minuten den menschlichen „Traum vom Anderssein“. Mal lieblich, ätherisch als in Shoegaze gewandete Weltdeutungswolken, dann wieder wummernd – nah am Frühwerk der Band – als brüllende, kaputte, alte, saure Hoffnung. Insgesamt knüpft „Der Traum vom Anderssein“ mit seinen Spezialeffektspielereien, dem satten Sound und dem Willen zum warmen Wummern, der sich hier und da für leisere Töne zurücknimmt, an ihr 2001 erschienenes Album „Europa gegen Amerika“ an. In diesen 53 Minuten schaffen es Mutter wieder, konkrete Dinge über das Leben und jene letztlich darin doch empfundene Schwere zu sagen.

Uli M Schueppel und sein Film über Caspar Brötzmann: „Da gehört die Welt mal mir“

„Da gehört die Welt mal mir“, die 2012 veröffentlichte, filmische Meditation von Uli M Schueppel über Caspar Brötzmann ist jetzt bei Vimeo verfügbar. Die körnigen Filmbilder und das knisternde Lagerfeuer, an dem Brötzmann vor sich hin sinniert sind sinnbildlich für das auf die Spielwut seines Besitzers wartende Flackern in den Röhren in Brötzmanns Marshallverstärkern. Er lässt die Gitarre sich selbst spielen, lässt sie langsam rückkoppeln, erwartet die Ober- und Zwischentöne, hält sie, bremst sie und bändigt sie, um sie dann wieder loszulassen, um in ihrem Brummen, Zischen und Surren die Momente der Stille, der nicht gespielten und trotzdem magisch mitschwingenden Töne und Tonflächen freizusetzen. Die Feedbacks der Gitarre sind hier Rückkopplungen aus dem Innersten ihres Spielers.

Review: Golden Diskó Ship – Imaginary Boys

Die spinnerte Verflechtung von verwirbelten Synthesizerspielereien und den programmatisch entgegensetzt trocken gehaltenen Gitarrensounds und die Einflechtung von Streichersätzen geben „Imaginary Boys“ als Album – bei allem kosmischen Getreidel – eine Verspultheit, die neben FaUSt auch an so manches Werk von The Red Krayola denken lässt.

Mind Over Mirrors – Undying Color

Mit voller Bandbesetzung veröffentlicht Jaime Fennelly sein sechstes Album als Mind Over Mirrors. Sein stilprägendes Harmonium sorgt für einen analogen Grain und setzt die Grundlagen für die repetetive Hypnotik. In der Summe wirkt alles benebelt und auf narkotische Art belebt und gelöst. Die hinzugekommenen Vocals im Kosmos von Mind Over Mirrors beseelen diese traumwandlerische Nebelwelt auf ganz neue Weise.

Oren Ambarchi – Hubris / Ricardo Villalobos – Hubris Variation

Oren Ambarchis Liebe zu den Drones präsentiert sich auf „Hubris“ als repetetive Mikropatterns gedämpfter und nachklingender Gitarrensaiten. Die Texturen, die er auf bisherigen Alben mit pitch-modulierten Gitarrenflächen auslotete, sind hier flirriger, zappeliger, aus vielen kleinen Bröckchen zusammengeclustert zu klackernder Flächigkeit – und dabei bestens symbiotisch mit den musikalischen Ideen eines Ricardo Villalobos.