Taylor Deupree – Somi

Wo die Parameter von zeitlicher Anordnung und tonaler Aktion auf vergangenen Veröffentlichungen via Software programmiert und generiert wurden, legte Taylor Deupree für „Somi“ wieder selbst Hand an und schnitt sich Tapeloops zurecht. Schon allein aus dieser Arbeit mit Tonbandschleifen ergeben sich jene digital nicht nachbastelbaren Verschleppungen, Verleierungen und Verwaschungen, die für das verzärtelte, leicht rauschige Soundbild sorgen, das unter Deuprees Engineer-Händen ganz besonders zu voller Entfaltung findet.

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William Basinski – A Shadow In Time

Zeit, ihr Vergehen und Phänomene von Verschwinden und Zersetzung spielen in der Musik von William Basinski seit drei Jahrzehnten eine Rolle. Auf „A Shadow In Time“, das abermals mit berückenden Tapeloops arbeitet, erweist er sich wieder als bedachter Wähler des zu Wiederholenden und eloquenter Entscheider des Wegzulassenden.

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Was macht eigentlich … Rainald Goetz?

Kommen People – Magazin für Leute, Lebensart und Langeweile ist ein Spin-Off von verschiedenen Tätigkeiten seines Machers. Aus Gründen dieser Tätigkeiten ist die Publikationsrate bei Kommen People sehr unregelmäßig.

Trotzdem soll an dieser Stelle eine ganz neue Infotainment-Qualität in diese Plattform Einzug halten. Es erwartet Euch in unregelmäßiger Folge nun hier die aus Klatsch-, Tratsch- und Quatschzeitschriften bekannte Kategorie „Was macht eigentlich…“.

In der ersten Edition geht es um einen bekannten Schriftsteller.

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Oren Ambarchi, Kassel Jaeger, James Rushford – Pale Calling

James Rushford, Oren Ambarchi und Kassel Jaeger collagieren ihre jeweils verschiedenmusikalischen Kernkompetenzen auf „Pale Calling“ zu einem großen, glucksenden Ganzen. Zwischen dem Glucksen und einer sonnenstichigen Orgel hängen wortferne Stimmenfetzen, wie wirre Blitze in einem ungeordneten, vorsprachlichen Zustand zwischen Geist und Empfindung. Ab und an fällt eine Synthesizer-Tonfolge in diesen köchelnden, klaustrophobisch traumartigen Grundpuls – wie eine wirre Idee, eine tonale Notiz, wie das Signal einer eingehenden Kurznachricht aus einer tief verbuddelten Ebene im Unterbewussten.

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Mutter – „Der Traum vom Anderssein“

Auf ihrem neuen Album vertont Mutter in acht Stücken auf 53 Minuten den menschlichen „Traum vom Anderssein“. Mal lieblich, ätherisch als in Shoegaze gewandete Weltdeutungswolken, dann wieder wummernd – nah am Frühwerk der Band – als brüllende, kaputte, alte, saure Hoffnung. Insgesamt knüpft „Der Traum vom Anderssein“ mit seinen Spezialeffektspielereien, dem satten Sound und dem Willen zum warmen Wummern, der sich hier und da für leisere Töne zurücknimmt, an ihr 2001 erschienenes Album „Europa gegen Amerika“ an. In diesen 53 Minuten schaffen es Mutter wieder, konkrete Dinge über das Leben und jene letztlich darin doch empfundene Schwere zu sagen.

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Meine erste Yoga-Stunde: Strampeln und Strecken gegen die Schwermut

Als Mensch, der eher den irdischen Genüßen und Giften, generell den ganzen ungesunden, plumpen, guten Spaßsachen zugewandt ist, kommt man um ein sportliches Korrektiv im Lebenswandel irgendwann nicht mehr herum. Bei mir soll es jetzt Yoga sein. Seien wir ehrlich: der wildwankende Lebenswandel rächt sich langsam. Es muss also ein wirkmächtiges Körperentschmerzungsprogramm her, das die – von Arbeit, Exzess und anderem Elend – gebeutelte, auseinanderzudriften drohende Einheit von Körper und Geist zusammenhält. Yoga scheint da gar nicht so verkehrt.

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Uli M Schueppel und sein Film über Caspar Brötzmann: „Da gehört die Welt mal mir“

„Da gehört die Welt mal mir“, die 2012 veröffentlichte, filmische Meditation von Uli M Schueppel über Caspar Brötzmann ist jetzt bei Vimeo verfügbar. Die körnigen Filmbilder und das knisternde Lagerfeuer, an dem Brötzmann vor sich hin sinniert sind sinnbildlich für das auf die Spielwut seines Besitzers wartende Flackern in den Röhren in Brötzmanns Marshallverstärkern. Er lässt die Gitarre sich selbst spielen, lässt sie langsam rückkoppeln, erwartet die Ober- und Zwischentöne, hält sie, bremst sie und bändigt sie, um sie dann wieder loszulassen, um in ihrem Brummen, Zischen und Surren die Momente der Stille, der nicht gespielten und trotzdem magisch mitschwingenden Töne und Tonflächen freizusetzen. Die Feedbacks der Gitarre sind hier Rückkopplungen aus dem Innersten ihres Spielers.

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