Lebensart

Judith Schalansky – Verzeichnis einiger Verluste (Suhrkamp Verlag, 2018)

In ihrem im Suhrkamp Verlag erschienenen „Verzeichnis einiger Verluste“ beschäftigt sich Judith Schalansky mit nicht weniger als Allem und Nichts: mit dem großen Ganzen und – das liegt in der Natur der Sache von Verlusten – auch dem kleinen Bruchstückhaften. Das was als Verlust festgestellt wird, muss schließlich irgendwann mal da gewesen sein, in graduellen Abstufungen für manche mehr, für manche eben weniger …

Rafael Horzon – Unternehmungslustiger & lustiger Unternehmer

Rafael Horzon hat es nicht leicht: Rafael Horzon will ein Unternehmer sein, wird aber immer als Künstler gesehen. Er darf nicht einfach nur ein Unternehmer sein. Alle seine Unternehmen, Projekte und Geschäfte werden einzeln als Aktionen und Konzepte eines künstlerischen Systems gelesen. In der Summe sagt man ihm dann gleich noch das Münchhausenhaftige nach. Der arme Kerl muss sich also ständig vor aller Welt rechtfertigen, über das was er so macht und was er also Unternehmen nennt. Oder ist esweiterlesen

Britta – Best of

Dieser Tage erscheint ein „Best Of“ der Berliner Band Britta bei Staatsakt. Britta singen darauf gesammelt und weiterhin von den Errungenschaften und Nöten, Mangel- und Verzichtserscheinungen eines selbstbestimmten, sogenannt alternativen Lebens. Aber bei Britta war eh schon immer alles „Best Of“, nur hat das die Mehrheit nie mitbekommen und Britta hatten es nie nötig das so herauszuposaunen. Mich selbst begleitete ihre Musik und jene der Lassie Singers über viele Jahre. Eine fast schon autobiographische Rezension.

Zu unrecht versunken – Tarnation Street: „High Hopes“

Das Popmusikgeschäft ist oft, und genau natürlich deswegen weil es ein Geschäft ist, ein ungerechtes. Manche Bands schaffen es mit ihrer Kauzigkeit, wenn auch oft nur kurz, Oberwasser zu bekommen und schwimmen dann eine Weile auf einem kleinen Hype. Die Kauzigkeit wird als Sonderlingsbonus gehandelt und für eine gewisse Zeit von allen Seiten hoch goutiert. Danach verschwinden diese Kauzbands oft wieder. Ebenso Tarnation Street aus Schweden.

Meine erste Yoga-Stunde: Strampeln und Strecken gegen die Schwermut

31. März 2017 Lebensart

Als Mensch, der eher den irdischen Genüßen und Giften, generell den ganzen ungesunden, plumpen, guten Spaßsachen zugewandt ist, kommt man um ein sportliches Korrektiv im Lebenswandel irgendwann nicht mehr herum. Bei mir soll es jetzt Yoga sein. Seien wir ehrlich: der wildwankende Lebenswandel rächt sich langsam. Es muss also ein wirkmächtiges Körperentschmerzungsprogramm her, das die – von Arbeit, Exzess und anderem Elend – gebeutelte, auseinanderzudriften drohende Einheit von Körper und Geist zusammenhält. Yoga scheint da gar nicht so verkehrt.

Uli M Schueppel und sein Film über Caspar Brötzmann: „Da gehört die Welt mal mir“

„Da gehört die Welt mal mir“, die 2012 veröffentlichte, filmische Meditation von Uli M Schueppel über Caspar Brötzmann ist jetzt bei Vimeo verfügbar. Die körnigen Filmbilder und das knisternde Lagerfeuer, an dem Brötzmann vor sich hin sinniert sind sinnbildlich für das auf die Spielwut seines Besitzers wartende Flackern in den Röhren in Brötzmanns Marshallverstärkern. Er lässt die Gitarre sich selbst spielen, lässt sie langsam rückkoppeln, erwartet die Ober- und Zwischentöne, hält sie, bremst sie und bändigt sie, um sie dann wieder loszulassen, um in ihrem Brummen, Zischen und Surren die Momente der Stille, der nicht gespielten und trotzdem magisch mitschwingenden Töne und Tonflächen freizusetzen. Die Feedbacks der Gitarre sind hier Rückkopplungen aus dem Innersten ihres Spielers.

Biere suchen ein Zuhause – Burgkrone Premium Pilsener & Pivovar Bohemus

Bier ist ja sowas wie ein Vermittler zwischen den Welten. Bier ist wie Motörhead. Da können alle irgendwie ein bisschen was mit Anfangen. Die Serie „Biere suchen ein Zuhause“ testet Sorten aus dem Low-Budget-Segment. Im ersten Teil geht es um Burgkrone Premium Pilsener und Pivovar Bohemus der Handelskette Norma. Das Burgkrone hat es im Test nicht leicht: es fährt keine Achterbahn im Gaumen. Es bleibt zwischen den Schlücken auf der Zunge liegen, wie der Geschmack herausgealterter Amalgamplomben. Als leckte man am Geländer eines maroden Plattenbaubalkons. Ein Antesten aber allemal wert.